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| 2002 |
Professor Dr. Heinrich August Winkler
für seine zweibändige
Deutsche Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts "Der
lange Weg nach Westen"
Laudator:
Dr. Dr. h.c. Bartold C. Witte
Autor der
nachstehenden Verleihungsurkunde:
Helmuth Morczinietz
Heinrich August Winklers Deutsche Geschichte vom Ende des
Alten Reiches bis zur Wiedervereinigung Deutschlands, deren
besonderes Augenmerk nach eigener Bekundung auf die "Geschichtsdeutungen
die die Menschen bewegten und die in die politischen Entscheidungen
einflossen", gerichtet ist, entspricht in besonderer
Weise den in der Satzung festgelegten Bedingungen der Preisvergabe:
Sachlich fundiert und spannend herausgearbeitet, fesselt die
Darstellung. Mit ihr stellt sich der Verfasser Seite für
Seite souverän und entschieden im Urteil dem selbst gestellten
Anspruch, deutsche Geschichte zu erklären, indem er den
Leser teilhaben lässt an den Entscheidungen, die die
Entwicklung prägten, und ihn damit in die Lage versetzt,
nachvollziehen zu können, warum es so und nicht anders
gekommen ist.
Stets
lenkt der Autor den Blick auf das Wesentliche. Er wendet sich
dabei an einen breiten Leserkreis, der insbesondere an solchen
Antworten und an qualifizierter Hilfestellung für die
eigene Reflexion, Bewertung und Urteilsfindung interessiert
ist. Das Aufspüren und Aufzeigen des langen Weges nach
Westen, den die Deutschen vom Ende des Alten Reiches bis hin
zur Wiedervereinigung zum Teil unter äußerst schmerzlichen
Windungen und Wendungen zurückgelegt haben, hat bei der
interessierten Öffentlichkeit sowohl ein hohes Maß
an Aufmerksamkeit und Beachtung als auch Zustimmung gefunden.
Der Preisträger greift insbesondere auch die häufig
gestellte Frage nach einem oder gar mehreren Sonderwegen der
Deutschen in ihrer Geschichte, aber auch den Gedanken vom
Reich und dem Mythos auf, der sich darum rankte. Er überzeugt
mit der Feststellung, dass Reich und Mythos und der antiwestliche
Sonderweg des deutschen Reiches im Jahre 1945, der postnationale
Sonderweg der alten Bundesrepublik 1990 ihr Ende gefunden
haben. Geradezu befreiend für die Nachkriegsgeneration
unseres Landes, die sich als Deutsche mit ihrem Staat und
ihrer Nation identifizieren, macht er bewusst, dass die ausschließliche
Fixierung auf den Holocaust die paradox anmutende Wirkung
einer historischen Horizontverkürzung in sich birgt.
Zugleich aber mahnt er eindringlich ein Nationalbewusstsein
an, das die Auseinandersetzung mit diesem Teil der deutschen
Geschichte nicht ausklammert, weil darin ein hoher Grad von
Identifizierung mit Volk, Staat und Nation zum Ausdruck kommt.
In einer Zeit des zusammenwachsenden Europas versteht sich
unser Land als ein Nationalstaat unter anderen Staaten, der
sich im Verein mit den europäischen Partnern anschickt,
europäische Identität zu stiften.
Die Stadt Bad Wurzach freut sich, mit dieser Preisverleihung
einen aufgeklärten Patrioten zu ehren und zugleich verdeutlichen
zu können, dass ihr das friedliche Zusammenstehen der
Völker in der westlichen Staatengemeinschaft ein besonderes
politisches und menschliches Anliegen ist.
Kurzbiographie
Heinrich August Winkler,
geb. 1938 in Königsberg, studierte von 1957-1963 Geschichte,
wissenschaftliche Politik, Philosophie und öffentliches
Recht in Münster, Heidelberg und Tübingen. Er promovierte
1963 bei Hans Rothfels über das Thema "Preußischer
Liberalismus und Deutscher Nationalstaat" und arbeitete
von 1964-1970 als wissenschaftlicher Assistent an der FU Berlin.
Nach seiner Habilitation 1970 bekam er dort eine Professur,
bevor er 1972 nach Freiburg wechselte. Seit 1991 ist Heinrich
August Winkler Professor für neueste Geschichte an der
Humboldt-Universität Berlin.
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