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| 1992 |
Martin Walser
für sein Buch "Die Verteidigung der Kindheit"
Laudator:
Prof. Dr. Dr. Werner Brändle
Autor der nachstehenden
Verleihungsurkunde: Dr. Dr. h.c. Barthold C. Witte
Das Werk wendet sich in literarisch wertvoller Form an einen
großen Leserkreis und entspricht in hervorragender Weise
den in der Satzung festgelegten Bedingungen für die Vergabe
des Preises: Mit seinem vorerst letzten Werk ist Martin Walser
nicht nur eine weitere glückliche Gestaltung seines Hauptthemas
gelungen, nämlich der mühsamen Existenz durchschnittlicher
Menschen in der heutigen Gesellschaft. Er hat zugleich - und
dies macht die "Verteidigung der Kindheit" besonders
preiswürdig - einen eindrucksvollen Roman der deutschen
Teilung seit dem Ende des zweiten Weltkrieges geschrieben.
Die Hauptperson, Alfred Dorn, und sein figurenreiches Lebensumfeld
zwischen Dresden, Berlin und Wiesbaden verkörpern exemplarisch
den jahrzehntelangen Alltag beiderseits der innerdeutschen
Grenze. Sie alle erleben und erleiden die Folgen der Spaltung
Deutschlands, nicht in großen Worten oder Taten, sondern
sozusagen von unten her, an ihren Erfahrungen mit Mutterbrief,
Wäschepaket und Verwandtenbesuch.
Der
Lebensbericht über Alfred Dorn endet mit seinem Tod noch
vor dem deutschen Schicksalsjahr 1989, nicht glücklich
also, sondern trauervoll. Das macht ihn aus heutiger Sicht
besonders eindringlich und bewegend.
Die Stadt Bad Wurzach ehrt - auf einstimmigen Vorschlag der
unabhängigen Jury - mit dem Buch zugleich den Autor.
Martin Walser hat in seinem Gesamtwerk und in vielen engagierten
Beiträgen zur öffentlichen Debatte als Einer von
Wenigen unbeirrt an der Einheit der deutschen Nation festgehalten.
Was seit drei Jahren in Deutschland und Europa geschah, hat
ihn bestätigt. Stellvertretend für seine vielen
Leser und Freunde gilt unser Dank dem Schriftsteller, dem
oberschwäbischen Nachbarn und dem deutschen Patrioten.
Kurzbiographie
Martin Walser, geb. 1927 in Wasserburg, lebt in Überlingen
am Bodensee. Er hat für sein literarisches Werk zahlreiche
Preise erhalten, darunter 1981 den Georg-Büchner-Preis
und 1998 den Friedenspreis des deutschen Buchhandels. Außerdem
wurde er mit dem Orden "Pour le merité" ausgezeichnet
und zum "Officier de L´ordre des Arts et des Lettres"
ernannt.
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